Race Day

Sonntag morgen 4:02 Uhr, der Wecker klingelt. Nach einer doch recht unruhigen Nacht krabble ich ausm Bett, kurze Morgentoilette und ab zum frühstücken. Meine Wirtsleute haben extra Frühstück für mich und eine weitere Langdistanzkollegin hergerichtet. 2 Käsesemmeln, 2 Tassen Kaffee, einen Schokomuffin und ein Schoko-Milchreis, das muss fürs erste reichen.

Nach entspannter Fahrt zum Schwimmstart nach Heuberg Routine: Startnummer ans Rad, Sonnenbrille in Helm, Radbeutel ablegen, Reifendruck überprüfen, Tacho überprüfen…. Stefan, Harry und Reinhard sind auch schon da, kurzer Plausch und dann schaue ich mir den Schwimmstart der Pro’s an. Anschl. nochmal Reifendruck prüfen, Tacho prüfen :-) kurzes Warmlaufen, Neo an und dann wirds auch schön langsam Zeit sich Richtung Schwimmstart zu begeben. Stefan, mein Vereinskollege ist in der gleichen Startgruppe wie ich, kurzes abklatschen, viel Erfolg und Glück wünschen und dann gehts in die Fluten des Main-Donau-Kanal, der mit 19,1 Grad in meinen Augen die richtige Temperatur hat.

7:05 Startschuss. Kein Gedränge, kein Gehaue, ich komme gleich in guten Rythmus und kann schön mein Tempo schwimmen. Keine Probleme mit der Orientierung, auf gehts zum ersten Wendepunkt. Zwischendrin erwische ich für ca. 200 Meter auch gute Beine, aber muss dann wieder reißen lassen. Mit gutem Gefühl gehts um den ersten Wendepunkt und nun folgt die schöne, nicht enden wollende Gerade. Kopf ausschalten, locker bleiben, auf Technik konzentrieren und durchziehen. Auf einmal schwimme ich auf einen Brustschwimmer auf, den ich aufgrund “Kopf aus” nicht gesehen habe und erschrecke so, dass ich gleich einen Krampf im hinteren Oberschenkel bekomme :-) Der geht aber vorbei und ab da überhole ich immer wieder einige vor mir gestartete, werde aber auch überholt. Unter der Brücke durch, um den Wendepunkt rum zurück zum Schwimmausstieg. Meine Uhr zeigt 1:10 an und damit bin ich total happy (9 Minuten schneller als 2007, 12 Minuten schneller als 2008 in Klagenfurt).

Beutel geschnappt, gesehen dass Stefan’s Beutel schon weg ist (das war mir aber vorher schon klar) und rein ins Wechselzelt. Neo runter und eingepackt, Radschuhe an, Verpflegung in die Taschen, an der Verpflegungsstelle schnell noch einen Becher Iso und Stückchen Banane, am Rad die Startnummer rum, Aero-Helm auf dann gehts auch schon auf die Radstrecke. 3:35 für Wechsel 1 ist okay, zumal ohne jegliche Hektik.

Oben an der Brücke dann schon die erste Anfeuerung vom Supporter-Team aus PAF/MUC und auf den ersten Kilometern steht Beine locker fahren und weitere Verpflegung aufnehmen aufm Plan. Klappt auch ganz gut, Beine fühlen sich gut an, wenig bis fast kein WInd auf der Strecke, richtig gut zum durchblasen. Solarer Berg ist und bleibt einfach ein unbeschreibliches Highlight und da weiß man, warum man 6 1/2 Monate sich im Training schindet, quält und plagt….! Nach der ersten Runde der Blick aufn Tacho und der Schnitt liegt beim über 36,5 km/h….. hmm da muss ich bisschen rausnehmen, denn auch ein Marathon will noch gelaufen werden. In Eckersmühlen auf der zweiten Radrunde habe ich dann das erste Mal meine Eltern gesehen und auch der Wind kommt mehr und mehr auf, so dass auch die schnellen Abschnitte bspw. von Alfershausen nach Thalmässing und weiter bis Greding nicht mehr so einfach gehen. Kalvarienberg geht noch ganz gut, aber danach, bei Kilometer 140 geht dann fast gar nichts mehr und das erste Loch des Tages kommt. Ich habe mich zwar ganz gut verpflegt, aber anscheinend hat das Tempo und der Wind doch mehr Kraft gekostet als bis dahin angenommen. Also schnell ein Gel eingeworfen und das hat auch gleich super angeschlagen,ich fühle mich wieder besser.

Am Beginn des Solarer Bergs warten dann schon wieder die Supporter und schreien mich mit der Menge nach oben.

Von da an gehts nur noch der zweiten Wechselzone entgegen, noch ein schnelles Gel kurz vorm Wechsel und nach 5:06,26 darf die Effy in den wohlverdienten Feierabend und auch mit der Radzeit bin ich mehr als zufrieden.

Wechselbeutel geschnappt, ins Wechselzelt gelaufen und eine sehr hyperaktive Helferin bekommen, die mir gleich die Gels in die Hosentasche gesteckt hat und sich noch beschwert, dass meine Socken “müffeln” würden :-) Aber das kam glaube ich mehr von den Radschuhen :-) Raus ausm Zelt und noch schnell ins Dixie, Pinkelpause. Der zweite Wechsel ging in 3:34 von statten und mit Dixie auch ganz okay. Aber jetzt freue ich mich wirklich aufs laufen.

Hier war die Taktik, mit einem Schnitt knapp unter 5 Min/km loszulaufen und schauen, wie lange ich das halten kann. Beine fühlen sich gut an, erster Kilometer (ist glaube ich bisschen kürzer) in 4:18, Reiner Tempo raus…., zweiter Kilometer in 4:29, immer noch zu schnell… dritter Kilometer in 4:32….. aber ich fühle mich gut dabei :-) Bei Kilometer 7 auf der Laufstrecke steht Nicole (AK-Europameisterin aus FFM) und sagt mir, dass Stefan vor mir liegt (war mir klar) und auch Reinhard. Wie Reinhard? Der war eigentlich in Startgruppe um 7:20, also 15 Minuten nach mir und soll jetzt vor mir sein? Da er mich auf der Radstrecke nicht überholt hat, muss er unter 55 Minuten geschwommen sein?! Das gibt mir auf den nächsten Kilometern zu denken und lenkt mich kopftechnisch ein bisschen ab. In Schwanstetten läuft man um 3 Wendepunkte rum und kann sehen, wo sich die Mitstreiter befinden. Auf einmal sehe ich, dass Stefan hinter mir ist, obwohl ich ihn auf der Laufstrecke nicht bewusst überholt habe?! Aber er hatte einen kurzen Boxenstopp eingelegt und da bin ich unbemerkt an ihm vorbei…. ! Aufm Rückweg von Schwanstetten über die Lände hinunter nach Eckersmühlen kommt auch noch schöner Gegenwind auf… super! Kilometer 13, ich überhole den gehenden Reinhard. Kurzer Klapps und aufmunternde Worte und weiter gehts. An der Lände stehen dann wieder meine Eltern und die 20,8 Kilometer-Marke durchlaufe ich mit einer Zwischenzeit von 1:39,27…. eigentlich viel zu schnell, aber es läuft noch ganz gut. Gesamtzeit hier beträgt 8:03 und noch knapp zwei Stunden für einen Halbmarathon… das erste mal kommen Gedanken an die Sub 10 auf.

Mein Dad kommt mir dann kurz nachgeradelt, um mir Salz anzubieten, aber das brauche ich erstmal nicht. An der Brücke kurz vor Eckersmühlen dann wieder die Anfeuerungen der Supporter, runter von der Kanalstrecke, rein nach Eckersmühlen, oben an der Brücke wieder Anfeuerung und weiter Richtung Wendepunkt bei Eichelburg. Verpflegungstelle kurz vorm Wendepunkt, der Ofen ist fast aus, ich muss in der Verpflegungsstelle gehen, laufe aber danach gleich weiter. Rum um den Wendepunkt und Stefan ist auf einmal nur mehr ca. 20 Meter hinter mir und hat mich kurz darauf auch gleich. Auf seine Frage, ob ich dran bleiben kann, muss ich mit NEIN antworten und schnell hat er 50-100 Meter Vorsprung, der auch bis Eckersmühlen konstant in diesem Bereich bleibt. Aus Eckersmühlen raus gehts Richtung Kanal leicht ansteigend durch einen Wald, da kann ich wieder bisschen Boden gut machen. Über die Wiese, an Grillrauchschwaden vorbei wieder auf den Kanalweg…. noch 8 Kilometer und die Sub 10 sind zum greifen nahe….! Verpflegungsstelle kurz vor der Brücke, ich muss wieder gehen um viel Wasser, Cola und Iso zu erwischen und weiter gehts. Stefan hat sich nicht wirklich lösen können und läuft immer noch knapp 100 Meter vor mir. Jetzt Tunnelblick und zur Lände, abbiegen Richtung Roth, noch 4 Kilometer. Bei Kilometer 40 merke ich, dass ich auf Stefan wieder Boden gut gemacht habe und bei Kilometer 41 habe ich ihn. Kurzer Plausch, er sagt ich solle weiter laufen und habe vielleicht 10 Meter Vorsprung, als mir das Schuhbandl aufgeht…!!!!! Kurz gebunden, Stefan läuft bisschen langsamer und dann beschließen wir, gemeinsam einzulaufen und machen das nach schönem Fight auf der Laufstrecke zeitgleich in 9:55,26 Stunden!

Reinhard finisht seine erste Langdistanz in klasse 10:23,35 (und zur Rätelslösung: er ist in der falschen Startgruppe ins Wasser gegangen und war somit schon vor mir und Stefan im Kanal unterwegs ;-) ) und auch Harry (aus Fahlenbach, Landkreis PAF), kommt in sehr sehr guten 10:31 ins  Ziel!

Den Marathon bin ich somit noch in 3:31,16 gelaufen, was auch gleichzeit PB für meine Marathonzeit bedeutet.

Insgesamt ein sehr geiler Wettkampf. Es hat wirklich alles gepasst (Wetter, Unterstützung, Material, Form) und das muss es bei einer Langdistanz auch, um ein klasse Ergebnis zu erzielen.

Als “Belohnung” habe ich nun beschlossen, 2010 keine Langdistanz zu machen, sondern mich nächstes Jahr nur mit max. Mitteldistanzen zu beschäftigen ;-)

One Response to “Race Day”

  1. Challenge Roth 2009 – Die Zuschauersicht - Andib Says:

    [...] Rennbericht vom Reiner gibt hier und den Rennbericht vom Stefan hier. Die Bilder der Challenge könnt Ihr Euch hier [...]

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